Bezirkstreffen in Rengshausen

Gabriele Zorn, Christine Berthold, Silvia Scheffer und Winfried Becker (v.l.n.r.) Gabriele Zorn, Christine Berthold, Silvia Scheffer und Winfried Becker (v.l.n.r.)

Mit einem zwanglosen Get-Together begann die Bezirkstagung am Samstag, den 20.06.2015, um 11.00 Uhr im Hotel Sonneck in Knüllwald-Rengshausen (Flyer).

Über 30 Soroptimistinnen aus 15 Clubs und 1 Gast vom Lions Club Marburg, hatten ihre Teilnahme zugesichert. Besonders gefreut haben wir uns über den Besuch von Barbara Kohl, SID-Präsidentin elect und Roswitha Briel, SID-Gouverneurin, die die Mittagspause des Preboard-Meetings in Kassel genutzt hatten, die angereisten Sorores und den SI Club Fritzlar-Homberg mit Präsidentin Christine Berthold zu begrüßen.

Nach dem Lunchbuffet aus regionalen Produkten begrüßten Christine Berthold, Präsidentin Club Fritzlar-Homberg, sowie Gabriele Zorn, SID-Vizepräsidentin Bezirk V, die Teilnehmerinnen und betonten nochmals die Bedeutung des Tagungsthemas, insbesondere für die Frauen.
Das Datum passte sehr gut, denn der 20.6. ist der Weltflüchtlingstag, 1914 durch Papst Benedikt XIV ausgerufen. Aktuell sind mehr als 50 Millionen Flüchtlinge in der Welt, meist bleiben sie in ihren Nachbarländern.

Landrat Winfried Becker zeigte sich erfreut über die Tagung und erläuterte die Situation der Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis:

  • 2012 404 Asylanträge
  • 2013 600 Asylanträge
  • 2014 983 Asylanträge
  • 2015 aktuell 1310 Asylanträge
  • bis Ende 2015 über 2000 Asylanträge

Zudem gibt es eine große Zahl (ca. 90) unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge. Herr Becker betonte die Notwendigkeit, den Menschen zu helfen. Er warb um Verständnis bei der Bevölkerung und lobte die hohe ehrenamtliche Tätigkeit. Bei zunehmenden Flüchtlingszahlen sieht er aber auch die Grenzen des Ehrenamtes und wünscht sich eine hauptamtliche Kraft, die sich um die Belange der Flüchtlinge kümmert. Die Situation wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen.

Den Hauptvortrag Letzte Zuflucht Deutschland? – Wenn Fremde plötzlich unter uns leben“ hielt Frau Scheffer, Ethnologin und Sozialtherapeutin vom
Diakonischen Werk im Schwalm-Eder-Kreis. Frau Scheffer betonte die Herausforderung, die der ländliche Raum darstellt.
Anhand einiger Länder zeigte sie die besondere Problematik auf:

1. Eritrea

Viele internationale Beobachter beurteilen das politische System in Eritrea als repressiv oder gar als Diktatur; die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen ist groß, schwangere Frauen werden verstoßen. Eritrea ist ein sehr armes Land, der Traum für viele heißt Europa, der Flüchtlingsstrom wächst.

2. Somalia

Hier gibt es keine Strukturen; kriminalisierte Banden rekrutieren junge Leute für den Militärdienst. Wenn sie nicht kämpfen, werden sie erschossen. Es herrscht ein sehr strenges Kastenwesen, die Identität wird auch in Europa nicht aufgegeben. Das schafft große Probleme in den Flüchtlingsunterkünften. Frauen, die KEIN Kind haben, werden nicht als soziales Wesen anerkannt. Genitalverstümmelung gibt es nach wie vor.

3. Syrien

Das Land ist nahezu zerstört, die Fronten laufen quer durch die Familien. Die Flüchtlinge bringen teilweise eine gute Ausbildung mit; die erste Sorge gilt der Familie. Solange diese nicht komplett ist, gibt es keine berufliche Anstrengung.

4. Afghanistan

Nach dem Abzug der ISAF steigt die Zahl der Flüchtlinge wieder.

Für alle diese Menschen ist die schönste Information die wirkmächtigste: Deutschland sucht Arbeiter, es gibt ein gutes Bildungssystem, es gibt demokratische Regeln. Was die Menschen nicht wissen: Sie müssen die Sprache beherrschen, es wird Mobilität verlangt, die Phase der Ungewissheit kann 2 Jahre dauern, denn es gibt einen Bearbeitungsstau. Das Warten ist zermürbend für die Menschen, Frau Scheffer beobachtet eine Psychosomatik des Wartens!

Viele Dinge bleiben schwierig, dennoch ist es wichtig, in kleinen Schritten zu helfen. Wo immer es möglich ist, sollten die Menschen in Gemeinschaft zusammenkommen, in Vereinen mitarbeiten etc. Frau Beshhisid Najafi, Vorstandsvorsitzende von DaMigra /Asigra Köln und Prof. Dr. Jantje Halberstadt – Juniorprofessorin für Social Entrepreneurship in Lüneburg, boten anschließend in ihren Workshops Gelegenheit, sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema noch einmal zu nähern und Handlungsspielräume auszuloten.

Nach der Kaffeepause um 16.00 Uhr endete die interessante Bezirkstagung.

 Gruppenfoto