Eröffnung der Orange Days durch den SI Club Fritzlar-Homberg

Zum Start der diesjährigen Orange Days, zu dem der Club Soroptimist Fritzlar-Homberg gemeinsam mit Vertreterinnen der Landeskonferenz der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck eingeladen hatte, versammelten sich knapp 30 Personen am Hochzeitshaus in Fritzlar. Im Beisein des Fritzlarer Bürgermeisters Hartmut Spogat, der Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg (CDU) und Dr. Daniela Sommer (SPD) wurde die Kampagne mit einem mannigfachen „Wir sagen NEIN zur Gewalt“ und einer Einführung in die wichtigsten Aspekte eröffnet.  

Mit dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen beginnt jährlich am 25. November die UN-Kampagne „Orange the World“, die seit 1991 auf diese Gewalt aufmerksam macht. Bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, die auch Rechte der Frauen sind, wird weltweit in verschiedenster Form auf diese Problematik hingewiesen.

Positiv anzumerken ist, dass das Engagement gegen geschlechtsspezifische Gewalt von Jahr zu Jahr wächst.

Bärbel Bas, unsere Bundestagspräsidentin, ist Schirmfrau der diesjährigen Kampagne der UN-Frauen Deutschland.

Die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal und der Fußballprofi Fabian Reese leisten als Welt-Botschafterin bzw. als Weltbotschafter aktive Unterstützung.

Der Deutsche Fußballbund unterstützt die Kampagne. Die Nationalelf der Frauen will beim Länderspiel gegen Dänemark Aufwärmshirts mit dem „Stopp-Gewalt“ Slogan tragen und im Ostseestadion auf die Kampagne aufmerksam machen.

Äußerst negativ bleibt dagegen weiterhin die Realität: Geschlechtsspezifische Gewalt ist immer noch allgegenwärtig und fest in unseren patriarchalen Strukturen verankert.

Gewalt gegen Frauen geschieht sowohl im öffentlichen Raum in Form von psychischer, körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt als auch massiv im häuslichen Umfeld. Partnerschaftliche Gewalt ist laut Statistik die häufigste Gewaltform und wird in den meisten Fällen von Männern ausgeübt.

In Deutschland ist jede dritte/vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von psychischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen, das sind mehr als 12 Millionen Frauen. Alle 4 Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch ihren Partner oder Expartner. Jeden dritten Tag tötet ein Mann seine Partnerin oder Expartnerin.

Die „Nein zur Gewalt“ Kampagnen der verschiedensten Organisationen beleuchten jedes Jahr jeweils besondere Aspekte.

Der Club Fritzlar-Homberg protestiert gemeinsam mit über 30.000 Soroptimistinnen in 43 Ländern gegen Gewalt an Frauen.

Erstmals beteiligt sich auch die Kirche Kurhessen-Waldeck, einige Vertreterinnender der Landeskonferenz der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck kooperieren mit dem SI Club Fritzlar-Homberg.

2022 lag das Augenmerk auf dem ersten wichtigen Punkt der Istanbul Konvention, der Prävention. Das Bewusstsein für Anzeichen einer toxischen Beziehung sollte geschärft werden. Denn toxische Beziehungen können in Gewalt enden. Nicht nur Betroffene selbst, sondern auch Familie und Freunde sollten diese Anzeichen und auch entsprechende Hilfsangebote kennen.

Diese SI Kampagne war letztes Jahr sehr erfolgreich, so dass SI das Thema dieses Jahr nochmals aufgreift und erweitert.

Anzeichen einer toxischen Beziehung, deren Kenntnis wichtig für eine evtl. Verhinderung häuslicher Gewalt sein kann, können sich folgendermaßen zeigen:

  • In einer übertriebenen und schnellen Intensität der Beziehung
  • Durch Eifersucht
  • In der Kontrolle von Mails, Telefonaten, …
  • In der Isolation von Freunden, Familie
  • Durch Kritik am Erscheinungsbild, den Fähigkeiten, der Persönlichkeit der Frau
  • Durch Sabotage, durch Lügen
  • Durch Schuldzuweisungen für entstandene Probleme des Mannes, der gleichzeitig dafür aber keine persönliche Verantwortung übernimmt
  • Durch Wut, Stimmungsschwankungen, sexuellen Druck

2023 kommt zum Bewusstmachen und Erkennen dieser toxischen Anzeichen noch ein neuer Schwerpunkt hinzu. Im Mittelpunkt stehen sieben Aspekte der Mentalen Gesundheit, die jeder im Auge haben und pflegen sollte, da sie die Persönlichkeit stärken.                          

  • sich eine positive Einstellung, Optimismus im weitesten Sinne, erarbeiten, dies führt laut Studien zu besserem Stressmanagement und einer besseren allgemeinen Gesundheit
  • zuversichtlich Herausforderungen entgegen treten, stärkt das Selbstwertgefühl, Familie und/oder Freunde können emotional Unterstützung bieten
  • Grenzen setzen, ob im Privatleben oder am Arbeitsplatz, ist für das Wohlbefinden wichtig und verhindert Unsicherheit
  • Selbstfürsorge durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung, Schlaf und gesunder Ernährung führen
  • Verantwortung übernehmen und zum Vereinbarten stehen, sich aber keine Selbstvorwürfe bei Schwierigkeiten machen, ist wichtig
  • mit einem gesunden Selbstwertgefühl an sich glauben, bei starken Selbstzweifeln evtl. professionelle Hilfe suchen, stärkt
  • mit Achtsamkeit mit sich selbst umgehen, fördert Selbstwahrnehmung und Stressabbau  

Die Kampagne setzt somit auf die Prävention häuslicher Gewalt und verknüpft sie mit dem achtsamen Umgang mit der eigenen psychischen Gesundheit. Sie richtet sich nicht nur an die Opfer, sondern an alle, die Zeugen von Gewalt gegen Frauen werden.
Alle können gemeinsam mithelfen, das Problem häuslicher und sexualisierter Gewalt gegen Frauen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, indem sie über dieses Problem, Präventivmaßnahmen und Hilfsangebote (z.B. das Hilfetelefon mit der 116 016), mit anderen sprechen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

Auch die von SI großangelegte Social-Media-Kampagne widmet sich täglich einem der wichtigen Punkte beider Bereiche.

Um häusliche Gewalt möglichst zu verhindern, müssen alle auf toxische Anzeichen in einer Beziehung und die Pflege der mentalen Gesundheit achten und helfen, Mädchen, weibliche Jugendliche und junge Frauen stark zu machen. Sie brauchen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, gesunde soziale Beziehungen im realen Leben und müssen frühzeitig lernen Grenzen zu setzen.