Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes in Homberg zur Förderung kultureller Angebote

Im Schwalm-Eder-Kreis, in dem der Club Fritzlar-Homberg ansässig ist, leben ca. 2.000 Flüchtlinge. Von Seiten der Diakonie ist Silvia Scheffer zuständig für die Flüchtlingshilfe.

Am Weltflüchtlingstag im Sommer 2015 begegneten wir der Ethnologin und Sozialtherapeutin Silvia Scheffer von der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werks im Schwalm-Eder-Kreis erstmals, die im Rahmen des damaligen Bezirkstreffens einen Vortrag zur Thematik hielt. Sie zeigte nicht nur sehr prägnant und anschaulich die Fluchtgründe für bestimmte Länder wie z. B. Somalia, Eritrea, Syrien, Afghanistan auf, sondern schilderte auch eindringlich, welche Auswirkungen diese und die Flucht selbst auf die Menschen haben.

Zur Thematik „Frauen auf der Flucht“ referierte Frau Scheffer im November 2015 im Rahmen einer Veranstaltung des Frauenbüros des Landkreises und stellte hier noch einmal die besonderen Gefahren für Frauen und Mädchen auf der Flucht dar. Auch zwei betroffene Frauen schilderten ihre Erlebnisse.

Diese Veranstaltungen regten uns an, mit Frau Scheffer und dem Diakonischen Werk enger im Interesse der Flüchtlinge zusammenzuarbeiten.                                                                              In gemeinsamen Gesprächen erörterten wir mögliche Unterstützungsansätze, insbesondere für Frauen.

Viele Flüchtlinge leiden an körperlichen und durch Traumata ausgelöst auch häufig an psychischen Beeinträchtigungen, die sie auch noch lange nach ihrer Ankunft in Deutschland belasten. Besonders Frauen und Mädchen müssen auch in den oft überbelegten Sammelunterkünften hier nicht selten weitere Übergriffe erleiden. Dazu kommen die fehlenden Sprachkenntnisse, eine fremde Kultur, die Sorgen um zurückgelassene Familienangehörige und Freunde, der Verlust der Heimat insgesamt, alles Dinge, die die „Gesundung“ zusätzlich erschweren.

Umso wichtiger ist es für die Menschen ein Stück „Normalität“ zu erleben. Wie für die Flüchtlingskinder, denen SI zusammen mit der Deutschen Welthungerhilfe ermöglicht, eine Schule außerhalb des Flüchtlingslagers in einem entspannten Umfeld zu besuchen, ist es für Flüchtlinge hier bei uns wichtig am „normalen, alltäglichen“ Leben teilnehmen zu können und so zumindest zeitweise aus ihrem Trauma heraus zu kommen und sich wieder als vollwertiger Mensch zu fühlen. Dies sollte ihnen u. a. durch die Teilnahme an Ausflügen, dem Besuch kultureller Einrichtungen wie Museen, Ausstellungen, Theater oder dem Besuch von Zirkusvorstellungen oder Musikaufführungen ermöglicht werden.

Unsere Spende, die durch Hilfsfonds dankenswerter Weise aufgestockt wurde, ermöglichte inzwischen den ersten Schritt auf diesem Weg. Im Spätsommer unternahm Frau Scheffer mit ca. 40 geflüchteten Frauen u.a. aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Somalia und auch noch anderen Ländern einen Ausflug in die Gemäldegalerie in Kassel. Auch zwei Clubschwestern unseres Clubs Fritzlar-Homberg nahmen teil. Es war für alle ein sehr einprägsames Erlebnis. Die Frauen waren schon von den Parkanlagen vor Schloss Wilhelmshöhe mehr als begeistert. In der Gemäldegalerie wurden im Rahmen einer Führung einzelne Objekte näher erläutert, so bspw. Figuren und Bilder im Zusammenhang mit dem Herkules und auch berühmte Werke Rembrandts. Die Frauen zeigten sich überaus interessiert, tauten immer mehr auf, stellten Fragen und schauten sich beim Rundgang auch noch weitere Gemälde voller Interesse an. Es war eine große Freude die strahlenden Gesichter zu sehen. Mit Spaß und viel Gelächter machten sie auch Fotos von Statuen, die sie sicher so in ihren Kulturen nicht sehen würden. Beim Rundgang und abschließenden Kaffetrinken hatten wir Gelegenheit mit vielen Frauen ins Gespräch zu kommen. Immer wieder erklärten sie, wie glücklich sie seien, dies alles sehen zu dürfen. Weitere Besuche dieser Art sind geplant.